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Die guten Vorsätze und der innere Schweinehund

Das alte Jahr ist abgelaufen und du hast für das neue Jahr den guten Vorsatz gefasst, endlich deine Ernährung umzustellen und somit die leidigen überschüssigen Pfunde loszuwerden.

Oh, wie schön wird das in deiner Vorstellung! Im Sommer wirst du eine gute Figur in Badekleidung oder in deinem tollen Outfit machen. Endlich wirst du dich wieder wohlfühlen. Die Leute werden dich bewundern und du wirst so stolz auf dich sein, dass du es endlich geschafft hast.

Soweit die Theorie. Nur gibt es da den inneren Schweinehund, der dich aller Wahrscheinlichkeit nach mal wieder davon abhalten will.

Am Anfang seid ihr euch beide einig, also du und dein Schweinehund. Dein innerer Schweinehund jubiliert. Das wird so toll, wenn das Ziel erreicht ist! Er freut sich schon jetzt auf die so ersehnte Belohnung – Anerkennung, Stolz für die erbrachte Leistung.

Aber dann soll es losgehen. Jetzt zögert dein Schweinehund und macht dich madig.

„Hey“, sagt er, „willst du echt ab jetzt auf alles Leckere verzichten? Ist es wirklich der richtige Zeitpunkt? Was ist mit der leckeren Pizza vom Lieblings-Italiener? Omas berühmte Buttercremetorte? Alles ab sofort tabu? Und überhaupt: weniger Kalorien? Denk an die Geschichte im Struwelpeter, wo der Suppenkasper schließlich stirbt! Nein, nein, denk noch mal darüber nach, ob du das wirklich willst“. Dein Schweinehund versucht dir nun zu erklären, dass doch eigentlich bislang alles gar nicht so schlecht war. So ein Aufwand, nur um ein paar Kilos abzunehmen? Vielleicht sind wir im Sommer ja noch im Lockdown und du kannst sowieso nicht an den Strand. Der Schweinehund ist um keine Ausrede verlegen.

Aber du hast es dir vorgenommen und diesmal willst du es schaffen. Du wirst nun deinen Schweinehund bekämpfen oder ignorieren, mobilisierst alle deine Disziplin und Willenskraft und willst dich durchsetzen. Na, ob das funktioniert?

Kann funktionieren, aber es wird dich auf diese Weise so viel Kraft kosten. Der bessere Weg wäre es, deine Taktik zu ändern und deinen inneren Schweinehund nicht als Feind anzusehen, sondern dich mit ihm zu verbünden.

Dafür musst aber auch du deine Sichtweise ändern und seine Beweggründe verstehen. Denn eigentlich will er dich doch nur schützen. Er schlägt dir immer den bequemen Weg vor, damit du in deiner Komfortzone bleiben kannst. Er will dir sagen: „Neues und Unbekanntes kann man doch jetzt noch gar nicht richtig einschätzen! Jetzt weißt du doch, was du hast. Womöglich werden deine Erwartungen gar nicht erfüllt und du bist enttäuscht. Vielleicht werden dich die anderen auslachen, deine neuen Vorsätze für bescheuert halten, dich für bekloppt erklären und nichts mehr mit dir zu tun haben wollen? Im Büro essen alle den Geburtstagskuchen der Kollegin und du bist ausgegrenzt? So viele Unwägbarkeiten. Hör auf mich, dann kann dir nichts passieren“.

Vielleicht hat er sogar von früher schlechte Erfahrungen abgespeichert, von einem gleichen oder ähnlichen Vorhaben, welches du schon längst verdrängt hast und er will dich nur vor einem neuen Reinfall bewahren?

Und wenn du nun auf ihn hörst, wird sich zunächst erstmal wieder dieses Wohlgefühl einstellen, vorbei ist das Kopfzerbrechen um die Frage, ob du wirklich jetzt loslegen sollst oder später oder überhaupt.

Ja, der Schweinehund weiß, wie er dich kriegen kann!

Vielleicht ahnst du es schon: du und dein Schweinehund, ihr habt keine gleichberechtigte Beziehung. Er wird immer versuchen, dich zu dominieren und zu manipulieren. Du kannst versuchen, ihn zu bekämpfen, aber glaub mir, auf Dauer hälst du den Streit nicht durch. Du wirst den Kürzeren ziehen.

Auch kannst du dein Verhältnis mit deinem Schweinehund nicht mit einer Ehe oder sonstiger Lebensgemeinschaft vergleichen. Wenn dort die Fetzen fliegen, kannst du dich streiten und ggf. unzufrieden sein mit dem Verhalten des Partners. Hier hast du die Wahl:

  1. ihr bleibt trotzdem zusammen und haltet die Unstimmigkeiten aus oder
  2. alternativ kannst du dich trennen oder
  3. ihr könnt daran arbeiten, eure Beziehung zu verbessern und zukünftig einen wertschätzenden Umgang miteinander pflegen.

Für dich und deinen Schweinehund gibt es nur Möglichkeit 1. oder 3., denn trennen kannst du dich von deinem Schweinehund nicht, du kannst ihn nicht ins Tierheim geben, nicht aussetzen, denn er ist in der drin, deine innere Stimme. Und wenn du in deinem Leben etwas ändern willst, müsst ihr an eurem Umgang miteinander arbeiten.

Du musst wissen: dein Schweinehund will eigentlich nur Spaß mit dir haben. Das hast du bestimmt schon mal beim Sport erlebt. Erinnere dich, wieviel Spaß ihr beim Skifahren habt, bei schönen Radtouren mit Freunden, bei erlebnisreichen Wanderungen in schönen Gebieten. Aber was macht der Schweinehund für ein Theater, wenn z. B. alle Welt der Meinung ist, dass nun auch du joggen gehen solltest und du aber joggen doof findest. Beim ersten Mal raffst du dich vielleicht auf, aber spätestens nach dem zweiten Mal findet dein Schweinehund Ausreden, warum er heute nicht joggen will. Das heißt jedoch nicht, dass der olle Saboteur überhaupt keinen Sport mag, sondern nur eben nicht joggen. Wenn du etwas tust, was er so gar nicht mag, wirst du sehen, wie groß ein vielleicht ansonsten eher kleines Schweinehündchen werden kann und wie sein Bellen immer lauter wird!

Also geh mal in dich, zu deinem Schweinehund, und frag ihn ganz in Ruhe, was er wirklich will. Dann wirst du erkennen, dass er eigentlich nur will, dass es dir gut geht. Er will, dass du in Sicherheit bist. Alles was neu ist, bedroht diese Sicherheit.

Deswegen musst du ihn überzeugen. Fange an, ihm die neue Ernährung schmackhaft zu machen. Schwärme ihm davon vor, was du alles Leckeres zubereiten willst, wie gut das schmecken wird, suche Rezepte heraus, mach dir einen Plan. Zeig ihm, dass ihr beide nicht hungern müsst, sondern mit super leckeren Gerichten verwöhnt werdet, die nicht mehr Zeit beanspruchen werden als deine jetzige Ernährung. Versprich ihm eine zusätzliche Belohnung (z. B. eine schöne Shoppingtour oder vielleicht ein Wellness-Wochenende mit der besten Freundin), wenn er dich in Ruhe machen lässt.

Hier spielt dir die LCHF-Ernährung in die Karten.

Diese ist lecker, lange satt haltend und versorgt den Körper mit allen wichtigen Nährstoffen. Ebenso gibt sie dir eine bislang unbekannte Energie und gute Laune. Auch ist sie einfach und ohne viel Zeitaufwand zuzubereiten. Die ersten Pfunde werden schnell purzeln, du fühlst dich energiegeladen und hast somit schnell Erfolgserlebnisse.

Dein Schweinehund kann sich zurücklehnen, genießen und wittert keine Gefahr mehr.

Selbstverständlich wird er dein Tun argwöhnisch im Auge behalten, vielleicht mal ein bisschen grunzen, aber er wird nicht mehr bellen und dich erst mal machen lassen.

Damit ist der erste Schritt getan.

Gut so, denn das Beginnen ist häufig der schwerste Schritt.

Natürlich gibt es immer mal wieder Hindernisse und Hürden, die zu überwinden sind.

Dann solltest du gemeinsam mit deinem Schweinehund überlegen, wie ihr diese gemeinsam überwinden könnt. Du kannst um Hindernisse herumgehen, einen Umweg machen, sogar einen neuen Weg einschlagen oder auch kleinere Schritte machen.

Wichtig ist, dass

  • du die Richtung und dein Ziel im Auge behälst,
  • dir klar ist, dass du und dein Schweinehund an einem Strang ziehen müsst und ihr nur als Team ans Ziel kommt.

Vielleicht sollte man manchmal sogar auf den Schweinehund hören? Anstatt Sport nach einem harten Tag kann auch mal Couch sinnvoll sein. Oder vielleicht musst du einfach mal einen Cheat-Day einlegen? Manchmal hat man nach einem schlimmen Tag vielleicht einfach nicht die Kraft, eine Ernährung ohne Brot, Nudeln, Kartoffeln und Zucker zu verteidigen. Oder man will Oma nicht enttäuschen, die besagte Buttercremetorte extra für dich gebacken hat? Hey, wir sind alle nur Menschen! Hauptsache, du machst dich am nächsten Tag wieder auf den richtigen Weg

Ich hoffe, es ist etwas klarer geworden, warum sich dein Schweinehund so verhält, wie er sich verhält. Er ist eigentlich ein Guter und will dich nur schützen. Nimm ihm die Angst vor Veränderungen und mach ihm die Vorteile deines Vorhabens schmackhaft.

Du könntest dir übrigens auch Mitstreiter suchen. Gemeinsam macht es mehr Spaß und ihr könnt euch bei der „(Schweine-) Hundeerziehung“ austauschen.

Bei der Umsetzung deiner guten Vorsätze für das Jahr 2021 wünsche ich dir viel Erfolg!

Sollte es dennoch Probleme mit deinem inneren Schweinehund geben, stehe ich gerne für ein Coaching zur Verfügung, auch in Coronazeiten (natürlich unter Einhaltung der Hygienemaßnahmen).

Herzliche Grüße,

Andrea

PS:

Sollte es trotz der gesunden, satt und glücklich machenden Ernährung nach LCHF doch nicht so richtig mit dem Abnehmen klappen, verzweifle nicht, sondern werfe einfach mal einen Blick auf die Evolution des Menschen.

Wissenschaftler haben herausgefunden, dass Menschen darauf konditioniert sind, in den Wintermonaten mehr zu essen als nötig. Das liegt u. a. daran, dass unser Körper bei niedrigen Temperaturen erheblich mehr Energie braucht, um den Körper in der richtigen Temperatur zu halten. Außerdem war es in der Steinzeit (die aus evolutionärer Sicht noch gar nicht so lange her ist) im Winter schwierig, an Nahrung zu kommen. Das, was man fand, wurde schnell konsumiert (puh, wieder ein Tag überlebt). Um möglichst wenig Kalorien bzw. Energie zu verbrauchen, haben sich die Steinzeitmenschen im Winter auch erheblich weniger bewegt (auch ein Grund, warum wir im Winter so gerne auf der Couch sind). Man sollte meinen, dass wir durch unsere Weiterentwicklung inzwischen die Fähigkeit besitzen, zu merken, wann wir genug gegessen haben und dass auch unser Gehirn mittlerweile weiß, dass uns in der heutigen Zeit ausreichend Nahrung zur Verfügung steht. Aber unser Gehirn denkt oft noch im Steinzeitmodus.

Also: wenn es jetzt trotz Ernährungsumstellung mit dem Abnehmen nicht so klappt, wie du es dir vorgestellt hast, verzweifele nicht. Es liegt nicht an dir, sondern am Steinzeitmodus deines Gehirns.

Halte an deiner neuen LCHF-Ernährung fest und du wirst sehen:

Ab dem Frühjahr erwacht die Natur aus ihrem Winterschlaf und unser Körper und Geist ebenfalls. Dann kann der Körper auch wieder loslassen.